isental open art 2017 


Sueddeutsche Zeitung, 12. Juli 2017
ENTDECKUNGSREISE UMS ECK

Geraldine Frisch, die Initiatorin der Kunstschau, in ihrem Experimentierraum, einem aus Europaletten errichteten Anbau an ihrem Wohnhaus. 

 

Bei der 3. Auflage der regionalen Kunstschau im östlichen Landkreis öffnen an diesem Wochenende  14 Künstler ihre Ateliers

von Peter Kees

Ausflüge sind mitunter Entdeckungsreisen. Man muss dabei noch nicht mal in die Ferne schweifen, denn schon ums Eck lässt so manches Unbekannte auf sich warten. Im Landkreis Erding zum Beispiel bei der Isental Open Art an diesem Wochenende. 14 Künstler und Künstlerinnen öffnen die Pforten zu ihren Ateliers. Ein paar Feldwege muss man allerdings erklimmen, um hinter Büschen und Berghängen die Künstleranwesen zu erspähen.

In Innerbittlbach - einem kleinen Dorf, das man schon auf der Landkarte nicht so einfach findet - liegt ein altes, liebevoll renoviertes Gehöft auf einem parkähnlichen Grundstück. Das Künstlerpaar Erhard und Christa Walde hat dort ein zauberhaftes Kleinod geschaffen. Ein 6000 Quadratmeter großer Garten mit Objekten, Skulpturen, einem kleinen Teich und einer Grotte. Die Figuren aus Keramik - Wächter, nachgebildete Familienangehörige und Fabelwesen - sind aus Christa Waldes Künstlerhand. Richtig aufregend wird es in ihrem Atelier: dort findet sich ein Panoptikum an Objektkästen, in die hinein die Künstlerin Fundstücke verarbeitet hat. Auch Teile toter Tiere, ein Vogelgerippe etwa oder ein Schildkrötenpanzer, finden sich darunter, "finstere Sachen" nennt Walde das. Doch es geht keineswegs um Gruseleffekte. Diese Dinge faszinieren und geben eine Antwort auf die Frage, was Kunst ist und wozu sie nötig ist.

Über einen anderen Feldweg gelangt man zum Anwesen von Uschi Strick. Der Ort heißt Höselsthal. Auch hierhin verirrt es Fremde wohl eher selten. Wieder ein alter Hof (Höselsthal 4, Isen). Im ersten Stock gibt es sogar eine Galerie. Dort hängen "nicht bunte, sondern farbige Bilder," wie die aus Düsseldorf stammende Künstlerin anmerkt. Ihre Gemälde sind geprägt von Formen, Linien und Farben, manche sind monochrom. Uschi Strick spricht von inneren Bildern, bei der Abstraktion und Figuration keinen Gegensatz bilden. Um psychisches Befinden geht es ihr, um Variationen zum Thema Mensch, auch in ihren bronzenen Skulpturen.

Bei der Isental Open Art sind aber auch weniger idyllisch geprägte Ateliers Stationen dieser Kunstschau. Andrea Cordes-Thalheimer sitzt mitten in Dorfenin einer kleinen Gewerbeeinheit. Es ist ihr Unterrichtsraum für Kurse und das Atelier der Malerin. Intuitiv geschaffene Bilder, aber auch Dinge von Kursteilnehmern, auch aus Kinderhand, erwarten den Erkundungsreisenden dort. Ein paar hundert Meter weiter lebt und arbeitet der Tiroler Albin Zauner. In seinen Zeichnungen geht es um Digitalisierung und Vernetzung, um Flucht, ums "vereinsamte und trotzdem vernetzte Subjekt." Wenn wundert's, dass man scheinbar einsame Figuren auf den Blättern etwa mit Handys oder Computern in den Händen sieht. Albin Zauner ist Holzbildhauer und beschäftigt sich in seinen Skulpturen mit der menschlichen Abhängigkeit von der Natur. Nicht umsonst bezieht er an seinen Gestalten auch die weggeschnitzten Holzspäne mit ein. Die Fremdkörper gehören dazu.

Auch in Isen sind Arbeitsräume von Künstlern in ihre Wohnhäuser integriert. Zum Beispiel bei der Initiatorin der Isental Open Art, Geraldine Frisch. In ihrem Experimentierraum, einem aus Europaletten errichteten Anbau an das Wohnhaus der Architektin und Künstlerin, zeigt sie Rauminstallationen, Foto- und Videoarbeiten. Geraldine Frisch setzt sich intensiv mit Baumaterialien auseinander sowie dem Prozess des künstlerischen Schaffens an sich. Bei ihr zu Gast ist der Bühnen- und Szenenbildner Andreas H. Schroll aus Moosach mit seinen veredelten Müllplastiken. Eine Styroporobstschalle, einen Plastikbecher oder eine Bierflasche hat er in Bronze gegossen. "Müll, der ewig hält," sagt Schroll, der auch selbst Bier braut. Speziell für die Isental Open Art hat er eine Sonderedition seines "Roten" aufgelegt, das übrigens an allen Kunststandorten angeboten wird.

Weiter geht es zu expressiver Malerei und zu den primitiv geprägten Skulpturen von George von Mergeln, Isen und den Skulpturen aus Fundstücken von Edi Lechner, Isen, zu Kunstwerken von Wiebke Kleinschmidt, Loipfing, Thomas Bachmaier, Dorfen, Tony Seelig, Armstorf und  Peter Breth und Hannelore Stephani, Grüntegernbach. Bei den Waldes in Innerbittlbach zeigt Tochter Daniela auch Schmuck. Alle Ateliers haben am Samstag und Sonntag, 15. und 16. Juli, jeweils von 11 bis 18Uhr geöffnet. 



isental open art 2016


Münchner Merkur,  den 30. September 2016
KUNST ZUM LACHEN, STAUNEN UND DENKEN 
Einbeiniger Schlüsselbein-Wanstling, langhalsiger Dutzendfüßler, hochbeiniger Breitschnabelstachler oder buntscheckiger Höckerling. Nicht alle Kunstwerke, die bei der zweiten Isental Open Art zu sehen waren, tragen so fantasievolle Namen, wie sie Peter Breth seinen Gestalten gibt.

Der ehemalige Lehrer aus Grüntegernbach war einer von insgesamt 13 Künstlern, der die Bevölkerung in seine Werkstatt eingeladen hat. Breth arbeitet am liebsten mit Recyclingmaterial, fertigt aus Alteisen und Holz Figuren und Bilder. „Ob das Kunst ist, ist mir egal“, sagt er ganz uneitel und betont: „Ich lasse mich nicht festlegen auf eine Technik oder ein Thema.“ Auch mit verschiedenen Drucktechniken, Linoleum, Lithographie, Steindruck oder Holzschnitt experimentiert er gerne. Sein herrlicher Garten ist wie ein Freiluftmuseum, Kunstwerke sind in jedem Winkel zu entdecken.

In Breths Reich stellt auch Hannelore Stephani aus. Ihre figürliche Skulpturen und Plastiken sind aus Marmor, Ton oder aus Zementguss. Eine Reihe ihrer knallbunten Bilder, vorwiegend abstrakt aus Acryl gemalt, hängen an den Hauswänden oder aneinandergereiht wie Wäsche auf der Leine. Nicht nur Freunde und Bekannte, auch viele Kunstinteressierte oder einfach nur Neugierige tummeln sich auf ihrem Anwesen, suchen das Gespräch mit den beiden.

Etwas ruhiger, aber mindestens genauso interessant, geht es im Garten von Albin Zauner in Dorfen zu. Bevor die Besucher dort hingelangen, müssen sie an einer Reihe seiner früheren Kohlezeichnungen vorbei. Ein Hingucker sind auch seine Promis hinter Glas. Von Grass über Picasso bis Warhol sind hier viele Künstler verewigt. Neben dem Eingang zu seiner Werkstatt thront ein Baum aus einzelnen Holzkästchen, in denen Figuren sitzen oder stehen. Dafür wurde Zauner mit dem Kunstpreis von Ebersberg ausgezeichnet. „Der Baum war schon größer. Er wandelt sich“, erklärt er. Denn immer wieder werde ein Teil verkauft. Auch in seinem Garten wird der aufmerksame Betrachter fündig. Da baumeln geschnitzte Holzfiguren in Käfigen pittoresk am Apfelbaum. Sie sind ein Ergebnis seines dringenden Bedürfnisses auf die Abhängigkeit des Menschen mit dem Ökosystem hinzuweisen, erklärt der Kunsttherapeut der Isar-Amper-Klinik. „Ohne Natur können wir nicht existieren und trotzdem zerstören wir sie. Gleichzeitig sind wir gefangen in der Natur.“ Auch seine aktuellen Werke beschäftigen sich mit der Nachhaltigkeit. „Beim Schnitzen fallen immer viele Späne an. Sie sind zu schade, um sie in den Ofen zu schmeißen“, findet er und setzt diese „Abfallsachen in Bezug zu den Figuren“, heißt die Späne werden zu Kleidern, Betten oder Stützen seiner kleinen, geschnitzten Frauen und Männern.

Auch der Armstorfer Tony Seelig ist ein „Handwerker“. Als gelernter Elektriker kann er mit Hammer und Meißel umgehen. Für seine Kunstwerke ist ihm fast nichts zu teuer und zu aufwändig. Aus Marmor formt er Körper, aber auch abstrakte Skulpturen und Alltagsgegenstände wie eine Espresso-Tasse, Aschenbecher oder Handtaschen. Neben seiner heimischen Werkstatt in der Garage oder im Garten fährt er regelmäßig in den Steinbruch nach Italien, wie es Michelangelo schon vor ihm tat. „Da kriegt man einen Pavillon und Strom und kann direkt neben anderen Künstlern aus Japan oder Amerika arbeiten.“ Drei bis vier Wochen arbeitet er an jedem Stück, die bis zu 180 Kilo schwer sind. Er versucht die Farbgebung des Marmors in seine Kunstwerke einzubringen. „Das macht sie lebendiger und ist spannender.“ Gerne zeigt er seine schönsten Stücke, auch sein unverkäufliches Lieblingsstück „Serena“, ein liegender Frauenakt. Gerne ummantelt er seine Skulpturen mit Kupfer oder Bronze, die der Dorfener Lichtkünstler Thomas Bachmaier, der auch sein Atelier öffnete, nach Seeligs Vorstellung gestaltet.

Über zahlreiche Besucher konnten sich auch die anderen Aussteller Andrea Cordes-Thalmeier aus Dorfen, Stanko und Sabrina Fox aus Innerbittlbach, Geraldine Frisch und Edi Lechner, George von Mergeln und Eva Sárosis aus Isen oder Uschi Strick aus Hölsthal freuen. Die „Isental Open Art“ waren auf alle Fälle ein Erfolg. Und für viele Kunstfreunde waren die räumlich nicht gerade zusammenliegenden Ateliers das Ziel eines inspirierenden Radausfluges. Birgit Lang


Münchner Merkur,  den 21. September 2016

ISENTAL WIRD ZUR KUNSTMEILE

Dorfen - Zum zweiten Mal öffnen Kunstschaffende im Isental ihre Ateliers zu einer Werkschau und Verkaufsausstellung. Am Wochenende 24./25. September können Besucher 13 Künstlerinnen und Künstler über die Schultern schauen.

Die „Isental Open Art“, das sind 13 Künstler, elf Ateliers, sechs Orte. Zwischen 11 und 18 Uhr zeigen die Kunstschaffenden am Samstag/Sonntag ihre Werke und stellen sich Gesprächen mit Besuchern. Gezeigt werden Malerei, Bildhauerei, Zeichnungen, Fotokunst und Lichtkunst – ein spannender Austausch in die weitreichende Kreativität also, der im Isental geboten wird.

Die Finissage findet am Sonntag, 25. September, ab 19.30 im Atelier von Geraldine Frisch in Isen statt. Dazu gibt es Live-Musi mit „Tenorsteps“ und „Liliemusik“, das sind Michael Außerbauer, Sarah Galitz, Ralph Ausserbauer und Stefan Glaubitz sowie der Sängerin Sang Ganyonga aus München.

Die teilnehmenden Künstler haben ihre Arbeit in Selbstportraits beschrieben. Thomas Bachmaier, Dorfen: „Für meine Lichtkunst ist Intuition die Grundlage meines Schaffens. Es ist immer wieder eine außerordentliche Erfahrung, wenn aus mehr oder weniger zweidimensionalen Kupfertafeln, dreidimensionale Skulpturen mit Plasmaschneider und Schweißgerät entstehen.“

Andrea Cordes-Thalmeier, Dorfen: „Meine Kunstwerke sind so vielfältig, wie meine Eindrücke des Alltags und des Besonderen. Mal abstrakt, mal konkret, mal groß und ausladend, mal klein und detailverliebt, mal auf oder in Holz und Stein, mal auf Leinwand oder auch auf Altpapier.“

Albin Zauner, Dorfen: „Sowohl in meiner Holzbildhauerei als auch in meinen zeichnerischen Arbeiten steht die menschliche Figur im Zentrum. Anhand des gewachsenen Materials – Holz – steht das Menschenbild im Zeichen von Naturentfremdung und Ausbeutung der Ressourcen.“

Peter Breth, Grüntegernbach: „Aus allen Materialien kann man Bilder und Figuren machen, vielleicht auch Kunst. Ich verarbeite Recyclingmaterial zu Collagen, Altholz und Alteisen zu Fantasietieren.“

Hannelore Stephani, Grüntegernbach: „Neben der Malerei mit Acryl Farben und Skulpturen aus Holz hat mich ein neues Material – der weiße Marmor aus Carrara – inspiriert dreidimensional zu arbeiten. In Marmor entstehen nach langen, ausdauernden Stunden Skulpturen – figürlich oder abstrakt. Kunst macht mir Arbeit und Freude.“

Geraldine Frisch, Isen: „Meine Bildwelt speist sich motivisch aus meiner Erfahrungswelt als Architektin. Bei mir wird die Baustelle zur Bildstelle. Die Intensität der Farbe, der Glanz des Metallischen, die kompositorischen Blöcke, all das sind Eigenschaften einer Bildkunst, die eine starke Position im ästhetischen Diskurs der Zeit behauptet.“

George von Mergeln, Isen: „Mich inspirieren existentielle Themen – das Triebhafte im Menschen – oft im Zusammenspiel mit gesellschaftlichen Ereignissen, manchmal aber auch in scheinbar belanglosen Zusammenhängen. Dabei entstehen Bilder, Collagen und Skulpturen, die vermeintliche Harmonien immer in Kontrast zu Konflikten, Brüchen und Chaos stellen.“

Edi Lechner, Isen: „Ich fand es immer schön, interessante Holzteile aus Flüssen, Seen oder Meeren aufzuheben, anzuschauen und auch zu sammeln. Wichtig ist mir immer gewesen, dass die Fundstücke, so wie sie sind, zu Skulpturen mit Stein und Eisenteilen kombiniert werden.“

Eva Sárosi, Isen: „Farben sind mein Leidenschaft – eine freudige und auch mal quälende Liebesbeziehung. In meinen Bildern versuche ich ein spannungsvolles Gleichgewicht zu erreichen, über die Details der einzelnen Pinselstriche eine gewisse Transparenz zu vermitteln und den Blick über das Ganze nicht zu verlieren.“

Sabrina Fox, Innerbittlbach: „Die meisten meiner Skulpturen zeigen Gesichter. Ich liebe die unterschiedlichen Gesichtsausdrücke und wie man mit einer kleinen Muskelbewegung eine Geschichte erzählen kann. Meine Skulpturen dürfen erfreuen.“

 Tony Seelig, St. Wolfgang: „Meine Skulpturen gestalte ich größtenteils aus Marmor, welche danach auch in Bronze gegossen werden können. In meinen Skulpturen binde ich nur zu gerne die einzigartigen Strukturen und Farbgebungen, die sich im Stein befinden, mit ein. So können die emotionalen Aspekte des menschlichen Seins, die in den figürlichen Arbeiten zum Ausdruck kommen, in seiner bestimmten Formgebung erhalten werden.“

Stanko, Innerbittlbach: „Seit über dreißig Jahren studiere und male ich Farbfelder. Strahlendes Rot, schillerndes Türkis, beruhigendes Blau. Immer wieder durchleuchte ich die Nuancen und Feinheiten, die graduellen Abstufungen und Übergänge, um dem stillen tiefen Geheimnis der Farbe auf die Spur zu kommen.“

Uschi Strick, Höslsthal: „Auf der Suche nach Ausdrucksmöglichkeiten für meine inneren Bilder entwickle ich eine Formensprache, die nicht von einer bestimmten Methodik geprägt ist. Abstraktion und Figuration begreife ich in meinen Arbeiten nicht als Gegensätze, sondern als zwei sich durchdringende Gestaltungsmöglichkeiten.“ von Anton Renner


Süddeutsche Zeitung, den 21. September 2016
ISENTAL OPEN ART

DIALOG MIT DEN KÜNSTLERN

Werkschau am Wochenende: Am 23. und 24. September stehen elf Ateliers im Rahmen

der "Isental Open Art" für Besucher offen

 

Die Premiere der "offenen Ateliers Isental" im Juni vergangenen Jahres war ein Erfolg, nun gibt es am kommenden Wochenende eine Fortsetzung. Am Samstag, 24., und Sonntag, 25. September, können elf Ateliers von insgesamt 13 Künstlern täglich von 11 bis 18 Uhr besucht werden. Die Werkschau erstreckt sich von Isen über Dorfen bis nach St. Wolfgang, Höslsthal, Innerbittlbach und Grüntegernbach. Sowohl mit dem Auto als auch mit dem Fahrrad kann man die Ateliers erforschen und mit den Künstlern ins Gespräch kommen. Gezeigt werden Werke aus den Bereichen Malerei, Bildhauerei, Zeichnungen, Fotokunst und Lichtkunst. Die Finissage findet am Sonntag, 25. September, 19.30 Uhr im Atelier von Geraldine Frisch in Isen in der Adalbert-Stifter-Straße 13a statt. Sie wird von Jazzmusik der Gruppe Tenor Steps umrahmt.

Die teilnehmenden Künstler sind Thomas Bachmaier, Peter Breth, Andrea Cordes-Thalmeier, Sabrina Fox, Geraldine Frisch, George von Mergeln, Edi Lechner, Eva Sárosi, Tony Seelig, Stanko, Hannelore Stephani, Uschi Strick und Albin Zauner. Die künstlerische Herangehensweise ist vielseitig und vielfältig. Thomas Bachmaier aus Dorfen zum Beispiel hat sich auf Lichtkunst spezialisiert. Mit Plasmaschneider und Schweißgerät bearbeitet er Kupfertafeln und fertigt aus ihnen ungewöhnliche Lampenschirme, alles Unikate, die teils in Verbindung mit Halbedelsteinen, ganz außergewöhnliche Lichtsituationen ermöglichen.

Peter Breth aus Grüntegernbach arbeitet insbesondere mit Recyclingmaterialien. Er fertig daraus Collagen oder kombiniert Altholz und Alteisen zu Fantasietieren. In diesen Werken steckt oft ein hintersinniger Humor, für den Breth bekannt ist.

Auch Andrea Cordes-Thalmeier aus Dorfen möchte die Betrachter ihrer Werke erfreuen und zum Schmunzeln bringen. Sie arbeitet mal abstrakt, mal konkret, mal groß und ausladend, mal klein und detailverliebt, in Holz und Stein, aber auch auf Leinwand oder Altpapier. Gerade so, wie es ihr das verwendete Werkzeug vorgibt.

Sabrina Fox aus Innerbittlbach hingegen zeigt bei ihren Skulpturen meistens Gesichter: "Ich liebe die unterschiedlichen Gesichtsausdrücke und wie man mit einer kleinen Muskelbewegung eine Geschichte erzählen kann", sagt sie. "Meine Skulpturen dürfen erfreuen."

Bei Geraldine Frisch aus Isen speist sich die Bildwelt aus ihren Erfahrungen als Architektin: "Die Intensität der Farbe, der Glanz des Metallischen, die kompositorischen Blöcke, all das sind Eigenschaften einer Bildkunst, die eine starke Position im ästhetischen Diskurs der Zeit behauptet. Welche Art der Umsetzung, ob in Malerei, Zeichnung, Skulptur oder gar in fotografischen Bildsequenzen, entscheidet sich für mich im Arbeitsprozess."

George von Mergeln, ebenfalls aus Isen, inspirieren existenzielle Themen, oft im Zusammenspiel mit gesellschaftlichen Ereignissen, manchmal aber auch in scheinbar belanglosen Zusammenhängen. Dabei entstehen Bilde, Collagen und Skulpturen, die vermeintliche Harmonien immer in Kontrast zu Konflikten, Brüchen und Chaos stellen. "Das Geschaffene soll anregen und den Blick für weitere Perspektiven öffnen", sagt von Mergeln.

Edi Lechner aus Isen fand es schon immer schön, interessante Holzteile aus Flüssen, Seen oder Meeren aufzuheben, anzuschauen und auch zu sammeln. "Wichtig ist mir immer gewesen, dass die Fundstücke, so wie sie sind, zu Skulpturen mit Stein und Eisenteilen kombiniert werden", sagt Lechner. "Bei den Schwemmholzfiguren ist meine künstlerische Arbeit in erster Linie zu sehen, was passt. Anders als bei meinen aktuellen Arbeiten, wo ich alte konstruktive Elemente zu neuem Gebrauch entfremde oder aber eine neue Ästhetik erschaffe."

Eva Sárosi aus Isen bezeichnet Farben als ihre Leidenschaft; sie nennt es eine "freudige und auch mal quälende Liebesbeziehung". In ihren Bildern versucht sie ein spannungsvolles Gleichgewicht zu erreichen, über die Details der einzelnen Pinselstriche eine gewisse Transparenz zu vermitteln und den Blick über das Ganze nicht zu verlieren: "Mir liegt viel daran, immer wieder Neues zu entdecken und auszuprobieren und den Bildern ohn vorgefasste Rezepte immer wieder mit neuen Augen zu begegnen."

Tony Seelig aus St. Wolfgang gestaltet seine Skulpturen größtenteils aus Marmor, welche danach auch in Bronze gegossen werden können. "In meine Skulpturen binde ich nur zu gerne die einzigartigen Strukturen und Farbgebunden ein, die sich im Stein befinden. So können die emotionalen Aspekte, die in den figürlichen Arbeiten zum Ausdruck kommen, in seiner bestimmten Formgebung erhalten werden."

Stanko aus Innerbittlbach beschäftigt sich mit Farbfeldern, die er nach eigenen Angaben seit mehr als 30 Jahren studiert und malt. "Strahlendes Rot, schillerndes Türkis, beruhigendes Blau - immer wieder durchleuchte ich die Nuancen und Feinheiten, die graduellen Abstufungen und Übergänge, um dem tiefen Geheimnis der Farbe auf die Spur zu kommen", sagt Stanko.

Hannelore Stephani aus Grüntegernbach ist neben der Malerei mit Acrylfarben und Skulpturen aus Holz von einem neuen Material inspiriert worden: dem weißen Marmor aus Carrara. In Marmor entstehen nach langen, ausdauernden Stunden Skulpturen, figürlich oder abstrakt.

"Meine Bilder und Skulpturen beschreiben nicht konkrete Situationen, sondern bringen psychisches Befinden zum Ausdruck", sagt Uschi Strick aus Höslsthal. Auf der Suche nach Ausdrucksmöglichkeiten für ihre inneren Bilder entwickle sie eine Formensprache, die nicht von einer bestimmten Methodik geprägt sei. "Abstraktion und Figuration begreife ich in meinen Arbeiten nicht als Gegensätze, sondern als zwei sich durchdringende Gestaltungsmöglichkeiten", sagt Strick.

"Sowohl in meiner Holzbildhauerei als auch in meinen zeichnerischen Arbeiten steht die menschliche Figur im Zentrum", sagt Albin Zauner aus Dorfen. Sein Menschenbild stehe im Zeichen von Naturentfremdung und Ausbeutung von Ressourcen. 
Von Thomas Daller


M ART München ab 1.9.2016 - 30.11.2016



isental open art 2015 


Sueddeutsche Zeitung, 17.06.2015 

Malerei, Handwerk, Fotografie: Zwölf Künstler rund um Dorfen veranstalten am Wochenende das "Offene Atelier Isental"

Von Thomas Daller und Mathias Weber

Zuletzt musste man sich ja Sorgen machen um das Isental: Von allen Seiten ist es durch gigantische Infrastrukturprojekte bedroht, durch die Autobahn 94, die gerade im Bau ist, und vielleicht schlängelt sich in einem Jahrzehnt eine ertüchtigte B 15 durch den östlichen Landkreis, und mit den vielen Autos verliert das Isental ein wenig von seinem Reiz. Zeit also für gute Nachrichten aus der Gegend um Dorfen und einen ganz anderen, nicht alltäglichen Blick auf die örtliche Kulturszene. Die blüht dort nämlich ähnlich wie die Blumen entlang der Isen, und wer sich einen Blick hinter die Kulissen der Kreativen verschaffen will, hat am kommenden Wochenende Gelegenheit dazu. Zwölf Künstler aus der Region öffnen am Samstag, 20. Juni, und am Sonntag, 21. Juni, ihre Ateliers für die Öffentlichkeit, "Offene Ateliers Isental" nennt sich die Aktion. Sie hat ihren Reiz: Besucher können nicht nur verschiedene Orte und die kreative Atmosphäre in den Ateliers kennenlernen - von den Zentren Isen und Dorfen bis zu kleineren Ortschaften und Weilern wie Innerbittelbach, Loipfing, Grüntegernbach und Höselsthal; auch ganz unterschiedliche Künstler, ihre Werke und ihre Herangehensweisen sind zu entdecken: Da ist zum Beispiel die Architektin und Künstlerin Geraldine Frisch in Isen, die nicht nur mit Öl malt, sondern auch Fotografien und Videoarbeiten erstellt, die Bildhauerin Eva Sarosi, die ebenfalls in Isen arbeitet, oder die Familie Walde aus Innerbittlbach bei Lengdorf: Christa Walde gestaltet Ton, Erhard Walde ist Schmied und ihre Tochter Daniela beschäftigt sich mit Goldschmiedekunst. Wenige Tage vor den Offenen Ateliers im Isental hat die Erdinger SZ mit einigen Künstlern gesprochen: über ihre Arbeit, über ihre Inspirationen, über die Wertschätzung der Kunst im östlichen Landkreis.

Thomas Bachmaier

Was ist der Dorfener Thomas Bachmaier jetzt eigentlich: Künstler oder Unternehmer? "Ein wenig von beiden", sagt er. Bachmaier ist ein so genannter "Lichtkünstler", aus Kupfer und Edelstahl stellt er Lampen her, jedes Stück ein Unikat. Er lebt davon: In Dorfen hat er einen Showroom, er verkauft seine Stücke in ganz Europa, in seiner Heimatstadt genauso wie in München, in der Schweiz oder sogar in Irland.

Bachmaier, der sein Atelier in der Zinniengasse in der Dorfener Innenstadt hat, ist Autodidakt. Lange Jahre war er als Fernmeldemechaniker bei der Post angestellt, nach einem Unfall musste er in Frührente. Zu dieser Zeit hat er sich immer mehr für Kunst interessiert, hat Lyrik ausprobiert, Gemälde erstellt, Holzskulpturen geschnitzt, Kalligrafien gezeichnet. Schließlich kam er zur Kupferbearbeitung, der er heute noch trau ist und mit dem er seinen Lebensunterhalt verdient. Dass sich die Künstler rund um Dorfen und Isen am kommenden Wochenende der Öffentlichkeit präsentieren, darüber freut er sich. Und sagt aber auch: Manchmal würde er sich in seiner Heimatstadt ein wenige mehr Wertschätzung für die Kunst wünschen.

Uschi Strick

Zu groß, sagt Uschi Strick, dürfen ihre Bilder nicht werden: "Weil sie sonst nicht mehr ins Auto passen", lacht sie. Denn mobil muss sie sein, wenn sie ihre Acryl- und Ölbilder ausstellen oder zu einem Käufer nach Hause bringen will: Die Künstlerin Strick wohnt in Höselsthal, einem Weiler mit ein paar Bauernhöfen zwischen Isen und Dorfen. Vor 40 Jahren ist sie in eines der Bauernhäuser gezogen, ursprünglich kommt sie aus Düsseldorf, hat dort Ausdruckstanz studiert, in Wuppertal Malerei, und in München Bildhauerei. Heute arbeitet sie freischaffend in Höselsthal, dort hat sie neben ihrem Atelier auch eine Galerie, in der sie ihre Werke ausstellt und die den Besuchern an diesem Wochenende auch offen steht. Dort kann man ihre älteren Werke betrachten, in denen sich Strick von afrikanischen Kulturen beeinflussen ließ; und auch ihre neuen Bilder sind zu sehen, die mit geometrischen Formen, Linien, Flächen, spielen. Jeden Tag male sie zwar nicht, sagt Strick, sie müsse "den Drang haben". Die Abgeschiedenheit und die Natur in Höselsthal helfen dabei, und Uschi Strick lädt die Besucher, die am Wochenende vorbei kommen wollen, deshalb gleich zu einem Spaziergang ein, rund um ihr Atelier.

Peter Breth und Hannelore Stephani

Peter Breth betrachtet die Veranstaltung als Premiere. Zwar hätten einige der beteiligten Künstler beispielsweise bei Ausstellungen von Art Vilusa oder beim Kunstverein schon einmal gemeinsam Werke ausgestellt, eine gemeinsame Präsentation in dieser Form habe es aber bislang noch nie gegeben. Die Künstler hätten sich darauf verständigt, einen Querschnitt ihres Schaffens zu zeigen: "Ältere Werke, Werke, die noch nie ausgestellt wurden und aktuelle Arbeiten." Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Hannelore Stephani, die in seinem Haus in Grüntegernbach wohnt und ebenfalls bei der Ausstellung ihre Werke präsentiert, sei er vor kurzem in Carrara gewesen, wo sie mit weißem Marmor gearbeitet haben. Auch davon werden sie ein paar Objekte zeigen. Breth hat unter anderem einen weißen Raben aus dem Stein geklopft; ein typisches Objekt für den hintersinnigen Humor des Grüntegernbachers. In seinem Garten, wo sich auch die Werkstatt befindet, ist viel Platz, um seine vielfältigen Arbeiten zu zeigen, die über viele Jahre hinweg entstanden sind. "Wir sind keine hochtrabenden Künstler", sagte Breth, " sondern Autodidakten mit einer Passion. Uns treibt ein ernsthaftes Bemühen, neue Ideen zu verwirklichen." In seinem Heimatort ist der Künstler im Übrigen bekannt wie ein bunter Hund. Wer die Adresse Grünbacher Straße 16 nicht auf Anhieb finden sollte, dem kann jeder Passant im Ort weiterhelfen.

Im Oktober 2015 wird es noch eine gemeinsame Ausstellung aller teilnehmenden Künstler im Rathaus Isen geben.


Münchner Merkur, 18.06.2015

Offene Ateliers im Isental

Dorfen – Das Isental hat nicht nur viele landschaftlichen Reize zu bieten. Es ist auch ein guter Lebensraum für Kunstschaffende, die hier Inspiration für ihre Arbeit finden. Zwölf Künstler geben an diesem Wochenende, 20./21. Juni, an sechs Orten im Isental zwischen Isen und Dorfen einen Einblick in ihre Schaffenswelt.

Unter dem Motto „Offene Ateliers Isental“ können Kunstinteressierte am Samstag/Sonntag jeweils von 13 bis 18 Uhr die Kunstschaffenden Albin Zauner, Christa Walde, Uschi Strick, Daniela Walde, Eva Sárosi, Geraldine Frisch, Michael Förg, Peter Breth, Hannelore Stephani, Thomas Bachmaier, Erhard Walde und Wiebke Kleinschmidt in ihren künstlerischen Werkstätten in Isen, Innerbittlbach, Loipfing, Höselsthal, Dorfen und Grüntegernbach besuchen.

Gezeigt werden dort Arbeiten aus den Bereichen der Bildhauerei, Zeichnung, Malerei, Schmuckdesign, Lichtdesign, Fotografie, Videokunst und Grafikdesign. Für die Kunstschaffenden hat diese Aktion etwas Besonderes: Sie freuen sich an beiden Tagen auf Begegnungen und Gespräche mit Kunstinteressierten. ar